UN nehmen Hekmatjar von Sanktionsliste

Die Vereinten Nationen haben den ehemaligen afghanischen Kriegsherrn Hekmatjar von ihrer schwarzen Liste gestrichen. Nun könnte der auch als "Schlächter von Kabul" bekannte Hekmatjar aus dem Untergrund in die Politik zurückkehren.

Der UN-Sicherheitsrat hat die Strafmaßnahmen gegen den für schwere Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan verantwortlichen Milizenführer Gulbuddin Hekmatjar aufgehoben. Auf seiner Internetseite erklärte der Sicherheitsrat, Maßnahmen gegen Hekmatjar wie das Einfrieren von Guthaben, Reiseverbote und ein Waffenembargo seien nicht mehr in Kraft.

Damit ist für den ehemaligen Chef der Miliz Hesb-i-Islami und Ex-Ministerpräsidenten nach fast zwei Jahrzehnten im Untergrund der Weg frei für ein politisches Comeback. Nach Angaben von UN-Diplomaten erhob im UN-Sicherheitsrat lediglich Russland Einwände gegen den Schritt.

Hesb-i-Islami hatte im vergangenen September ein Friedensabkommen mit der afghanischen Regierung geschlossen, das Hekmatjar vor Strafverfolgung schützt und die Freilassung inhaftierter Milizionäre vorsieht. Im Gegenzug verpflichtete sich die Gruppe, ihren bewaffneten Aufstand zu beenden.

Der "Schlächter von Kabul"

Die Miliz war in den vergangenen Jahren allerdings kaum noch in Erscheinung getreten - im Gegensatz zu den islamistischen Taliban, die für die meisten Angriffe am Hindukusch verantwortlich sind. Mit den Taliban strebt die vom Westen unterstützte Regierung in Kabul ebenfalls ein Friedensabkommen an.

Der ehemalige Mudschaheddin-Kämpfer ist seit Jahrzehnten eine dominierende Figur in Afghanistan. Er hatte in den 1980er-Jahren mit Unterstützung der USA und Pakistans gegen die sowjetischen Truppen am Hindukusch gekämpft. Berüchtigt ist seine Rolle bei der Belagerung und Bombardierung Kabuls im Bürgerkrieg Anfang der 1990er-Jahre, die ihm den Beinamen "Schlächter von Kabul" eintrug.

Er war zweimal Ministerpräsident, floh 1996 vor den Taliban und unterstützte nach der Jahrhundertwende Al Kaida. Als die Regierung 2016 den Friedensschluss mit Hekmatjar bekannt gab, kam es in der Hauptstadt Kabul zu spontanen Protesten. Hekmatjar gilt als möglicher künftiger Rivale von Ghani und dessen Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah.

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